WOHNHÄUSER AN DER KÖPENICKER STRASSE IN BERLIN MITTE, 1. PREIS


Die Arbeitsgemeinschaft - LOVE architecture and urbanism + Architektur Consult ZT GmbH - gewinnt den Architekturwettbewerb 'Wohnhäuser an der Köpenicker Straße in Berlin Mitte'

Verfahren
An dem internationalen, nicht offenen Wettbewerb für das neue Wohnquartier in Berlin-Mitte beteiligten sich 20 Architekturbüros. Nachdem die erste Phase im November 2015 zwei Sieger hervorbrachte, konnte sich die Arbeitsgemeinschaft LOVE architecture and urbanism + Architektur Consult im Stechen um den ersten Platz schließlich mit ihrem Entwurf durchsetzen. Weitere Wettbewerbsteilnehmer waren unter anderem Grüntuch Ernst Architekten (Berlin), Sauerbruch Hutton (Berlin), schneider + schumacher (Frankfurt am Main), blauraum (Hamburg).

Planungsaufgabe (Auszug aus den Auslobungsunterlagen)
Aufgrund des steigenden Bedarfs an Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten steht die Nachverdichtung innerstädtischer Quartiere im Fokus der städtebaulichen Entwicklung. Das zu verdichtende Grundstück befindet sich in zentraler Lage im Bezirk Mitte. Es wurde Ende der 60-er Jahre mit einer von der Straßenflucht zurückgesetzten, 10-geschossigen Wohnzeile in Plattenbauweise bebaut. Entlang der Köpenicker Straße verläuft ein ca. 40 m breiter Grün- und Erschließungsstreifen, der nun für die Schaffung von zusätzlichem preisgünstigem Mietwohnungsbau, zum Teil in öffentlicher Förderung, genutzt werden soll.

Intention des Projekts
Diversität zu schaffen ist eines der Kernziele des Projektes. Der Entwurf schafft eine Fülle von unterschiedlichen Wohnungstypen, Wohnformen, Atmosphären, Nachbarschaften und sozialen Interaktionsmöglichkeiten.

Städtebauliche Grundgedanken
Ein turmartiger Baukörper im Osten des Wettbewerbsgeländes komplettiert die städtebauliche Großform im Geviert Köpenicker-, Heinrich-Heine-, Annen- und Michaelkirchstraße aus den 60-er Jahren. Ein 3-geschossiger, feingliedrig strukturierter Flachbaukörper verlinkt dieses neue Hochhaus mit dem bestehenden Punkthochhaus PH 12 an der Ecke Köpenicker- und Heinrich-Heine-Straße. Eine deutlich sichtbare Fuge im OG3 des neuen Punkthochhauses lässt dieses einerseits deutlich leichter und proportionierter wirken und verbindet andererseits Hochhaus und Flachbau visuell miteinander und schafft so eine Gebäudeeinheit. Durch das Zurückspringen der Sockelzone von Turm und Flachbau entsteht eine lebendige, geschützte, homogen anmutende, straßenbegleitende, öffentliche Zone, welche zum Flanieren und Verweilen einlädt. Die Bereiche zwischen den Neubauten werden landschaftsgärtnerisch gestaltet und mit Grüninseln durchzogen. Es entsteht eine lärmabgewandte, intime, semiprivate Zone, in welcher sich auch die Hauseingänge des neuen Flachbaukörpers finden.

Die Baukörper
Die um den zentralen Erschließungskern flexibel einteilbaren Wohneinheiten im Punkthochhaus sind zumeist „über Eck“ konzipiert. Dies ermöglicht verschiedene Aussichten und erhöhten Wohnkomfort (zwei Himmelsrichtungen, Möglichkeit der Querlüftung, etc.). Die Wohnungen des 3.OG („Fugengeschoss“) erhalten rund umlaufende Balkone.
Der Flachbaukörper setzt sich im Wesentlichen aus insgesamt sechs seriell zusammengeschalteten Modulen zusammen. Jedes Modul umschreibt einen Innenhof, welcher von einer meist zweigeschossigen Bebauung gefasst wird. Dieser gärtnerisch gestaltete, innere Hof ist privat, abgeschottet von äußeren Lärmemissionen und intim. Die zentralen Höfe bildet das kommunikative und soziale Herz der Wohngemeinschaften. Er ist Platz zum Spielen, Ort der Begegnung, des Austausches und der Interaktion. Die Bewohner des Hauses sind eingeladen, ihren angrenzenden Hof zu gestalten. So wird jeder Hof im Laufe der Zeit sein eigenes Gesicht bekommen, zu seiner eigenen Adresse werden.
Fast jede Wohnung des Flachbaukörpers ist „durchgesteckt“ konzipiert. Das heißt, praktisch alle Wohnungen verfügen über mindestens eine absolute Ruheseite (in Richtung Hof) und eine Sonnenseite (Richtung Süden). Die Bewohner der südlich gelegenen Wohnungen genießen absolute Ruhelage, die der nördlichen Wohnungen erfreuen sich an der urbanen Aussicht Berlins entlang der Köpenicker Straße. Das zurückspringende Sockelgeschoss der Gebäude beinhaltet die Hauseingänge, die KITA, Gewerbeflächen und Müllräume sowie Fahrradstellplätze.
Die gesamte Fassadenästhetik basiert auf dem Einsatz von drei Kernfassadenmodulen mit Adaptionsvarianten, welche je nach Bedarf und Nutzung der dahinter liegenden Räume auf der Fassade „verstreut“ werden. So entsteht ein außergewöhnlich lebendiges Pattern, basierend auf einem strengen und rationalen Grundraster.

Mitwirkende Fachplaner:
YEWO Landscapes, Wien (Landschaftsarchitekten)
Ebert Ingenieure GmbH, Berlin (Haustechnik)
Ingenieurbüro Axel C. Rahn GmbH, Berlin (Bauphysik)
Thomas Lorenz ZT GmbH, Graz (Tragwerksplanung)